Es ist warm…

Wahrscheinlich wird dies niemanden wirklich überraschen, wenn ich schreibe, dass es bei uns warm ist. Schliesslich wohnen wir in Afrika, und da ist es bekanntermassen warm. Und in gewisser Weise gewöhnt man sich auch an die Wärme.

So spielt das Wetter für uns einen grossen Teil des Jahres keine Rolle, wenn wir etwas planen. Ungefähr die Hälfte des Jahres können wir davon ausgehen, dass es nicht regnen wird. Bei einer Feier brauchen wir also keinen Plan „B“ für Regen.

Trotzdem gibt es auch hier kühlere und wärmere Zeiten. Kühl ist es normalerweise im Januar, weil dann der Harmattan weht, ein staubbeladener Wind aus der Wüste. In der Wüste kühlt es ja bekanntermassen nachts ziemlich ab, und das tut es dann auch bei uns. Und tagsüber wird es nicht so heiss, weil die Sonne durch den Staub nur eingeschränkt durchdringt. Begrüsst wird sich in dieser Zeit mit: „Wie geht es dir mit der Kälte?“

Die Monate März und April sind besonders warm. Im März herrscht trockene Hitze vor, während es im April bereits vereinzelt zu kräftigen Regenstürmen kommt. Diese sind örtlich begrenzt, und so steigt auch bei uns die Luftfeuchtigkeit an, obwohl wir bisher noch keinen Tropfen Regen abbekommen haben. Je feuchter die Luft wird, desto schlechter lässt sich die Wärme aushalten. Begrüsst wird sich in dieser Zeit mit: „Wie geht es dir mit der Müdigkeit?“

Thermometer: 42°C aussen; 36,1°C innen
Thermometer im Wohnzimmer: 42°C Aussentemperatur, 36,1°C innen. Die angezeigte Uhrzeit stimmt nicht, es war gegen 13 Uhr.

Die Wärme hat nicht nur Nachteile. Die Wäsche trocknet fast so schnell, wie man sie auf die Leine hängt. Das Geschirr kommt vorgewärmt aus dem Schrank. Allerdings ist das Geschirr immer vorgewärmt, auch wenn man vielleicht ein wenig Schokolade auf einem Teller anrichten will.

Hygrometer: knapp 40 Prozent Luftfeuchtigkeit
Hygrometer, zur gleichen Zeit.

Durch die Wärme werden wir aber auch schneller müde. Nahrungsmittel verderben schneller, wenn sie nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden. Dort herrscht aber bereits drangvolle Enge, denn es gibt so vieles, was kühl aufbewahrt werden muss: Medikamente, Filme, Filzstifte, Marmelade, Schokolade… Und wenn der Kühlschrank zu voll ist, kann die Kälte darin nicht mehr richtig zirkulieren.

Bei der Wärme ist es richtig erfrischend, kühles Wasser zu trinken. Damit wir nun nicht immer für jedes Glas Wasser den Kühlschrank aufreissen müssen, stehen dort zwei Kanister mit je fünf Litern Wasser drin. Morgens und am späten Nachmittag wird dieses Wasser in einen isolierten Behälter gefüllt, zusammen mit einigen Brocken Eis. Damit bekommt der Kühlschrank Zeit, die nächste Ladung zu kühlen. Und wer etwas trinken will, zapft aus dem isolierten Behälter, der bei uns 13 Liter fasst.

Neulich hatten wir so viel Besuch, dass wir diesen Behälter an einem Tag sechs Mal aufgefüllt haben. Und im Abwasch sind immer ganz viele Gläser… Die Kinder nehmen Wasser mit in die Schule, und dürfen auch während des Unterrichts davon trinken. Allerdings bekommen sie nie Hitzefrei. Das einzige Zugeständnis an die Hitze ist, dass der Sportunterricht in der heissen Zeit gleich morgens stattfindet, und nicht erst am Nachmittag.

Fliegen in der Ecke vom Hauseingang
Viele Fliegen fliegen Fliegen nach — und landen vor unserer Haustür.

Fliegen scheinen immer an einen kühlen Ort zu wollen. Wenn es draussen heiss ist, versuchen sie in Scharen, sich in die Ecken unseres Hauseingangs zu verdrücken. Jedes Mal, wenn die Türe einen Moment offen ist, können einige dieser Fliegen hereinschlüpfen. Doch am späten Abend ist es draussen etwas kühler als im Haus. Dann hängen die Fliegen von innen im Fliegengitter des Küchenfensters. Bis zum Morgen sind sie meist gestorben, und liegen innen auf dem Fensterbrett.

Computer und andere elektronischen Geräte sind oft nur für einen Temperaturbereich bis 35°C gebaut. Den Videoprojektor braucht man bei unseren derzeitigen Temperaturen nicht auszupacken, er schaltet sich sowieso nach kurzer Zeit wegen Überhitzung ab. Aber auch manche Computer hängen sich immer öfter auf, je wärmer es ist. Generell halten elektrische und elektronische Geräte nicht so lange in der Hitze durch. Dies hängt wohl auch mit den Kondensatoren zusammen, in denen das Elektrolyt bei Wärme schneller austrocknet.

Jedenfalls freuen wir uns, dass die heisse Zeit bald überstanden sein wird. An anderen Orten in der Gegend hat es schon geregnet, bei uns blieb es bisher aber noch trocken.

Martin

Fliegen auf der Bank vor unserer Haustür.
Fliegen auf der Bank vor unserer Haustür.