Abschleppunternehmen

Gestern, am Samstag, wollte ich eigentlich in Ruhe an der Buchhaltung arbeiten. Es haben sich wieder Belege angesammelt (wo die bloß immer alle herkommen…). Der Monat März geht zu Ende, und damit auch das erste Quartal des Jahres, eigentlich eine gute Gelegenheit, einen Finanzbericht zu erstellen.

Dann, um elf Uhr, bekam ich einen Anruf vom Pastor unserer Gemeinde. Er war am Freitag hier in Maroua mit einem Toyota Hilux Pickup aufgebrochen. Der Wagen war schwer beladen, ausserdem waren sieben Personen an Bord. Die Fahrt sollte in die Berge gehen, nach Gamboura. Nun, die Kombination aus Gewicht und Bergen ist wohl der Kupplung des Fahrzeugs nicht gut bekommen, jedenfalls meinte unser Pastor, dass sie die Nacht am Wegesrand verbracht hätten. Eigentlich hatte er bereits am Freitag Abend jemanden angerufen, damit der das Fahrzeug abschleppt, aber am Samstag um elf Uhr war der immer noch nicht eingetroffen.

Ich telefonierte ein wenig hin- und her, und erfuhr so, dass die bereits benachrichtigten Personen kein einsatzbereites Fahrzeug hatten. Also, was tun?

Ich sprach kurz mit Christel, und fasste den Entschluss, selbst loszufahren. Unser Mitarbeiter Sali war bereit, mich zu begleiten. So luden wir Wasser und ein wenig Proviant in unseren alten Landcruiser. Eine Kiste mit Seilen, Gurten, einem Greifzug und weiterem Zubehör steht sowieso fast immer im Fahrzeug bereit.

An einer Tankstelle füllten wir noch Kraftstoff nach, um genügend Reserven zu haben. Und gegen 14 Uhr waren wir an Ort und Stelle. Wir fanden das Fahrzeug leer und verlassen am Rand des Weges. Ein Esel stand in der Nähe, Personen waren nirgends zu sehen. Ich hupte zwei lange Töne mit der Pressluft-Fanfare, und der Esel stimmte mit ein. Dann machte er sich vom Acker.

Wir untersuchten das Fahrzeug. Eine Tür war nicht verschlossen, so konnten wir die Motorhaube öffnen. Da schlug uns der Geruch der verbrannten Kupplung entgegen. Die hydraulische Betätigung der Kupplung hingegen schien in Ordnung zu sein. Es war genug Flüssigkeit im System.

Von weitem sahen wir zwei Personen kommen, den Fahrer und einen Sohn des Pastors. Sie hatten den Schlüssel des Fahrzeugs bei sich. So konnten wir die Kupplung ausprobieren. Aber bei laufendem Motor und eingelegtem Gang bewegte sich das Fahrzeug keinen Millimeter. Die einzige Lösung war wirklich, das Fahrzeug abzuschleppen.

Die Ladung war ja offensichtlich bereits abtransportiert worden, und auch die Personenzahl hatte sich deutlich verringert. Das machte die Sache einfacher.

Der Fahrer erzählte später, dass zufällig ein Mann mit Hühnern an dem parkenden Wagen vorbei kam. Der Fahrer und der Sohn des Pastors kauften dem Mann einen Hahn ab, und schlachteten ihn am Wegesrand. Mit Hilfe des Zigarettenanzünders setzten sie Brennmaterial in Brand, und brieten den Gockel an Ort und Stelle. So verpflegten sie sich also während der Wartezeit.

Wir wendeten den Hilux, und ich wendete den Landcruiser. Doch am Hilux gab es vorn keinen Haken oder Öse, um ein Abschleppseil einhängen zu können. Ich hatte aber eine Kette im Fahrzeug, die legten wir um das vordere Ende des Rahmens. Ein Schäkel verband die Enden der Kette, und diente gleichzeitig als Abschleppöse. Daran befestigten wir ein handelsübliches ruckdämpfendes Abschleppseil, welches mal jemand aus Europa mitgebracht hatte. Am Landcruiser gab es eine wuchtige Anhängerkupplung mit Bolzen, dort wurde der andere Haken befestigt.

Landcruiser und Hilux stehen in karger Landschaft, das Abschleppseil ist vorbereitet.
Das Abschleppseil ist eingehängt, gleich kann es los gehen.

Ich vereinbarte mit dem Fahrer des Hilux noch, auf welches Signal wir anhalten würden. Ausserdem schärfte ich ihm ein, das Seil straff zu halten. Dann ging es los.

Zunächst fuhren wir einen relativ steilen Hang hinab, und andere Seite wieder hinauf. Ich fuhr langsam, teilweise musste ich bergauf in den ersten Gang zurück schalten. Als wir dann aus den Bergen heraus waren, fuhr ich etwas schneller.

Irgendwann rief Sali, der bei mir mitfuhr, dass die anderen nicht mehr hinter uns seien. Tatsächlich waren sie verschwunden, aber wir hatten auch kein Hupzeichen gehört. Wir stiegen aus, und sahen nach: Das Seil hing noch an unserem Fahrzeug. Und ein ganzes Stück zurück stand der Hilux mitten auf der Strasse. Ich legte das Seil auf den hinteren Stossfänger, und fuhr langsam rückwärts den Weg zurück.

Es stellte sich heraus, dass sich der Bolzen des Schäkels gelöst hatte und verloren gegangen war. Wir suchten eine Weile nach diesem Bolzen, gaben es aber schliesslich auf. Ich hatte noch zwei Schäkel in der passenden Grösse dabei, davon nahmen wir einen. Diesmal zog ich den Bolzen mit der Zange so fest, wie ich konnte. Ausserdem holte ich zwei Handfunkgeräte aus meinem Rucksack. An die hatte ich zunächst nicht gedacht, aber nun erklärte ich dem Sohn des Pastors, welche Taste er zum Sprechen drücken musste, und dass er zum Hören der Antwort die Taste wieder loszulassen hatte. Nach einem kurzen Test der Sprechverbindung verteilen wir uns wieder auf die Fahrzeuge. Sali, als Beifahrer, bekam also im Landcruiser die Aufgabe des Bordfunkers. Er kannte die Geräte bereits, wir hatten sie zuletzt zehn Tage früher beim Vermessen in Gamboura benutzt.

Blick am Fahrzeug längs: Staubiger Weg, wüstenähnliche Landschaft, in welcher einige Rinder nach Verwertbarem suchen.
Die Landschaft hat ihren Reiz, doch für eine Panne sollte man eine weniger abgelegene Stelle wählen.

Diesmal kamen wir nicht sehr weit. Während der Durchfahrt durch ein trockenes Flussbett hing wohl das Seil zu weit durch, jedenfalls gab es einen starken Ruck, als ich gegenüber die Böschung wieder hochfahren wollte. Sofort kam die Meldung über das Funkgerät: Der Haken am Hilux hatte sich gelöst. Das Sicherungsblech war verbogen, mit Hilfe der Zange konnten wir es aber gerade biegen.

Noch ein Stück weiter riss schliesslich das Seil in der Mitte durch. Wir knoteten es zusammen, und dieser Knoten hielt bis Maroua.

Inzwischen klappte die Zusammenarbeit immer besser, das Seil blieb schön straff, und es gab keine heftigen Rucke mehr. Ich fuhr immer schön langsam die Böschungen hoch, wenn wir durch einen der zahlreichen ausgetrockneten Wasserläufe fuhren. Die Funkgeräte halfen, denn so konnten wir uns gegenseitig Hinweise geben.

Für die Fahrt in der Stadt hatte ich mir Gedanken über die beste Route gemacht. Ich wählte eine Strecke, auf welcher ich nur rechts abbiegen musste, nie links, abgesehen von der Einfahrt auf das Gelände des Technischen Zentrums. Dort parkten wir den Hilux vor der Werkstatt. Der Bolzen des Schäkels liess sich mit meiner Zange nicht mehr lösen, also liessen wir die Kette vorläufig am Fahrzeug.

Wieder zuhause, waren seit dem Anruf sieben Stunden vergangen, und wir hatten etwa 160 km zurückgelegt. Ich war ziemlich müde, auch am nächsten Tag noch spürte ich jeden Muskel. Die Waage zeigte den Verlust von etwa zwei Kilogramm an, was sicher nicht nur am verpassten Mittagessen lag. Denn im Moment ist es recht heiss, das Thermometer steht für mehrere Stunden am Tag auf 40°C im Schatten.

Martin Pusch

Reise nach Gamboura

Auf dem Gelände in Gamboura, gut hundert Kilometer von Maroua entfernt, befinden sich eine Kirche, eine Poliklinik, eine Grundschule und mehrere Wohnhäuser. Der Generator machte Probleme, und so wurde Martins technischer Beistand gewünscht. Beim Überlegen, an welchem Tag wir dorthin fahren könnten, schied der Donnerstag aus. Da findet nämlich ein wichtiger Markt auf der Strecke statt. Das bedeutet, dass Ware und Geld transportiert wird. An solchen Tagen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Wegelagerer Reisende anhalten und ausrauben. Martin und ich machen uns also am Freitag, den 8. Juli, morgens früh, zusammen mit unserem Mitarbeiter Sali, auf den Weg.

Der Weg nach Gamboura
Der Weg nach Gamboura

Das Auto ist beladen mit allerlei Werkzeug und mit Wasser zum Trinken. Wir halten an der Tankstelle und füllen Diesel nach. Die Straßenkinder sind schon unterwegs und grüßen uns freundlich. Schon bald verlassen wir die Stadt. Die Landschaft ist herrlich grün. Überall sieht man Leute bei der Feldarbeit – nein, nicht mit Traktoren, sondern nur mit schlichten Hacken bewaffnet. Lastwagen fangen auf der Landstraße eine Wettfahrt an und überholen an unmöglichen Stellen. Ein „Lanzenritter“ ist auch unterwegs: ein Motorradfahrer, der eine mindestens drei Meter lange Stange auf der Schulter trägt. Statt auf Wildwechsel müssen wir auf Schafe achten, die beliebig die Straße überqueren wollen. An einem Markt halten rechts und links der Straße je ein Bus, und die Fahrer unterhalten sich. Wir müssen zusehen, wie wir zwischen ihnen durchkommen. Nach einer Stunde sind wir fünfzig Kilometer gefahren und verlassen den Asphalt. Ein Bauer nutzt einen Esel für die Feldarbeit. Ein einsamer Polizist hält uns an. Allerdings ist es unüblich, dass ein Polizist allein Kontrollen durchführt. Wir reden mit ihm und erwähnen dabei, wo wir hin wollen, und er lässt uns weiterfahren. In der zweiten Stunde schaffen wir gut dreissig Kilometer Strecke. Der Weg wird immer abenteuerlicher. Bei Abzweigungen wissen wir aus Erfahrung, welche Richtung wir nehmen müssen, Schilder gibt es nicht.

Ankunft in Gamboura
Ankunft in Gamboura

Für die letzten zwanzig Kilometer benötigen wir noch einmal eine Stunde. In den Dörfern rufen uns Kinder fröhlich zu. Die Leute schauen von der Feldarbeit auf und winken und wir freuen uns, als wir endlich in Gamboura sind. Martin bringt den Generator relativ schnell zum Laufen. Dann entdeckt er Stellen, an denen Kabel getrennt worden sind und somit zu Kurzschlüssen führen. Mit Sali und den Mitarbeitern vom Dorf ist er eine ganze Zeit beschäftigt.

Getrennte Kabel
Getrennte Kabel

Ich besuche solange Freunde und bringe ihnen Zucker als Gruß mit. Der Pastor der Gemeinde dort lebt erst seit einem halben Jahr mit seiner Familie hier. Seine Frau berichtet, wie fremd das Klima und die Kultur für sie sind. Ihre Kinder würden lieber wieder in der Stadt wohnen.

Der Pastor mit seiner Frau
Der Pastor mit seiner Frau

Zu 13 Uhr packen wir das Essen aus, welches wir vorbereitet hatten. Die Mitarbeiter haben noch Fleisch und Krapfen auf dem Markt gekauft und so sitzen wir in fröhlicher Runde mit dem Pastorenehepaar. Wir genießen das Essen und haben viel zu erzählen und zu lachen. Meine Fünf-Liter-Kanister für Wasser lasse ich der Pastorsfrau. Sie freut sich, weil sie damit sauberes Wasser zur Feldarbeit mitnehmen kann.

Eine Wasserstelle
Eine Wasserstelle

Kurz nach 15 Uhr brechen wir auf, nachdem wir noch Erdnüsse und Soja geschenkt bekommen haben. Vor Einbruch der Dunkelheit sind wir wieder in Maroua. Nach dem Tag in der Natur wird uns die Umweltverschmutzung in der Stadt besonders stark bewusst, denn die Luft ist voller Abgase und Rauch.

Christel

Zurück im Smog von Maroua
Zurück im Smog von Maroua

Bergtour in Mora

Alle Bilder im Überblick

Christel und Martin vor der Bergtour
Christel und Martin vor der Bergtour
Warten an der Grundschule Mora Massif
Warten an der Grundschule "Mora Massif"
Start in der Ebene
Start in der Ebene
Blick in die Ebene
Blick in die Ebene
abgeerntete Terrasse im Vordergrund
abgeerntete Terrasse im Vordergrund
Bündel mit Hirsestielen, im Vordergrund Holzstangen für Dächer
Bündel mit Hirsestielen, im Vordergrund Holzstangen für Dächer
Siedlung, links ein Gestell zur Aufbewahrung von Vorräten
Siedlung, links ein Gestell zur Aufbewahrung von Vorräten
Felsen mit einigen Bund Hirsestroh
Felsen mit einigen Bund Hirsestroh
Blick in die Ebene - im Vordergrund Parzellen für die Landwirtschaft
Blick in die Ebene - im Vordergrund Parzellen für die Landwirtschaft
Berghang mit angelegten Terrassen
Berghang mit angelegten Terrassen
Terrassen mit Feldern
Terrassen mit Feldern
Umfriedung aus Stein, von außen mit Dornen gegen Tiere geschützt, mit einer Matte als Tür
Umfriedung aus Stein, von außen mit Dornen gegen Tiere geschützt, mit einer Matte als Tür
Die blühende Pflanze im Vordergrund wird Elefantenfuß genannt.
Die blühende Pflanze im Vordergrund wird Elefantenfuß genannt.
Grabstätte in einem ausgehöhlten Felsen
Grabstätte in einem ausgehöhlten Felsen
Diese Steinhaufen sind Grabstätten
Diese Steinhaufen sind Grabstätten
Im Vordergrund: Steingräber
Im Vordergrund: Steingräber
Allerlei Hinweisschilder wurden angebracht
Allerlei Hinweisschilder wurden angebracht
Vorratsspeicher
Vorratsspeicher
Französischer Friedhof - Kampf am 04.11.1914 - 1 Europäer, 6 Schützen
Französischer Friedhof - Kampf am 04.11.1914 - 1 Europäer, 6 Schützen
Der französische Friedhof
Der französische Friedhof
Höhle in der Nähe des französischen Friedhofs - wurde im 1. Weltkrieg als Versteck verwendet
Höhle in der Nähe des französischen Friedhofs - wurde im 1. Weltkrieg als Versteck verwendet
Blick in ein Seitental, links oben ein bedrohlich wirkender Felsen
Blick in ein Seitental, links oben ein bedrohlich wirkender Felsen
Steiler Abstieg in ein Seitental, und andere Seite wieder hinauf
Steiler Abstieg in ein Seitental, und andere Seite wieder hinauf
Interessante Felsformation am Weg
Interessante Felsformation am Weg
Weitere interessant aufgetürmte Felsen
Weitere interessant aufgetürmte Felsen
Am Hang, auf Terrassen angelegtes Dorf
Am Hang, auf Terrassen angelegtes Dorf
Wasserstelle, verbunden mit einer Legende von einer weissen Kuh
Wasserstelle, verbunden mit einer Legende von einer weissen Kuh
Endlich auf dem Gipfel: Timon zusammen mit anderen Bergsteigern
Endlich auf dem Gipfel: Timon zusammen mit anderen Bergsteigern
Norbert am deutschen Soldatengrab - Die Namen der Gefallenen: Wacker und Schmidt
Norbert am deutschen Soldatengrab - Die Namen der Gefallenen: Wacker und Schmidt
Blick auf das deutsche Soldatengrab
Blick auf das deutsche Soldatengrab
Auf dem Rückweg: Bergdorf
Auf dem Rückweg: Bergdorf
Am Dorfrand hängt ein halbierter Ochsenkopf auf einer Stange
Am Dorfrand hängt ein halbierter Ochsenkopf auf einer Stange
Nach der Wanderung: Fabian Klemp, Bernice und Timon
Nach der Wanderung: Fabian Klemp, Bernice und Timon
Besuch beim Sultan in Mora
Besuch beim Sultan in Mora
Fantasia: Reiterspiele mit Schwertern und Lanzen
Fantasia: Reiterspiele mit Schwertern und Lanzen
Das Sultanat, der Sitz des Sultans
Das Sultanat, der Sitz des Sultans
Buffet im kleinen Hotel
Buffet im kleinen Hotel
Frittierte Kochbananen (vorn) und Kartoffeln (hinten), Fleischspieße
Frittierte Kochbananen (vorn) und Kartoffeln (hinten), Fleischspieße

Vor etwa zwei Monaten flatterte uns ein Brief ins Haus. Ein Heimatverein aus Mora organisierte eine Bergtour, mit Besichtigung einiger geschichtsträchtiger Orte. Wir merkten uns den Termin vor, und meldeten uns zu dieser Tour an.

Am 03. Februar 2007 trafen wir uns mit anderen Interessierten vor dem „Relais du Porte Mayo“. Jeder von uns bekam ein Plastik-Namensschild zum Anstecken. Dann verteilten wir uns auf zwei bereitgestellte Kleinbusse, und die Fahrt ging los.

Nach etwa neunzig Minuten kamen wir in Mora an, und stoppten zunächst bei einem kleinen Hotel. Es trat eine kleine Verzögerung ein, weil der Präfekt von Mora benachrichtigt werden musste, denn er sollte sich unserer Wanderung anschließen. Nur musste er, im Rahmen seiner dienstlichen Pflichten, noch erst den Startschuss zu einem Rennen geben.

Schliesslich fuhren wir zur Grundschule „Mora-Massif“, wo wir noch eine Weile im Schatten der Bäume warten. Auf dem Weg zu dieser Schule kamen uns eine Reihe von Läufern entgegen, die Startnummern auf der Brust trugen. Das Rennen war also eröffnet, und der Präfekt musste bald eintreffen.

Er kam dann auch, mit Sirene und einer Polizei-Eskorte. Er stieg aus seinem Auto, im Trainingsanzug und mit einer Wasserflasche in der Hand.

Nun ging die Wanderung los. Auf den breiten Wegen im Tal konnte man noch gemütlich nebeneinander her gehen. Einige Fotografen rannten voraus, um den Präfekten gut ins Bild zu bekommen. Ein ganzer Pulk von Kindern lief ebenfalls mit.

Als der Weg dann steiler wurde, zog sich der Zug in die Länge. Man konnte sehen, dass sich jemand mit dem Weg viel Mühe gemacht hatte: Er war teilweise mit Steinen eingefasst, und an steilen Stellen waren Steine zu Stufen aufgeschichtet worden.

Uns fiel auf, dass jeder Flecken Erde für Landwirtschaft genutzt wurde. Wo es irgendwie möglich war, hatten die Bewohner aus Steinen Mauern aufgeschichtet, um die Erde am Abrutschen zu hindern.

Die Landschaft ist von karger Schönheit. Die Felsen sind schroff, auf den Gipfeln sind sie oft übereinander getürmt. Dazwischen gibt es immer wieder Büsche, meist mit Dornen, und einige wenige Bäume.

Wir kamen an einigen Gehöften vorbei. Offensichtlich war die Ernte schon eingebracht, überall lagen und standen Bunde von Hirsestielen. Damit die Ziegen nicht alles auffressen konnten, waren Vorräte entweder auf Gestellen ausgelegt, oder wurden durch dornenbewehrte Steinmauern geschützt. Auch Vorratsspeicher gab es, in Form von schmalen, hohen Rundhütten.

Wir hielten an einem alten Gehöft an, und bekamen eine Geschichte von einem angeblich auferstandenen König erzählt. Leider hatte ihn seither niemand mehr gesehen, lediglich das Grab war leer gewesen. Viele der Wanderer liessen sich mit den beiden Witwen fotografieren.

Der Weg wurde steiler, und wir hatten einiges zu klettern, bis wir an der Stelle ankamen, an der sich französische Soldaten während des ersten Weltkriegs verschanzt hatten. Dort befand sich ein kleiner Friedhof, allerdings waren an dem aufgestellten Stahlkreuz keine Namen zu lesen.

Ein Stück unterhalb dieser Stelle gab es eine Höhle. Deren oberes Ende war etwas schlecht zu erreichen und mit Dornenbüschen überwuchert, der untere Ausgang hingegen war gut begehbar.

Der sich hier anschließende Hang war steil, und man musste gut aufpassen, um nicht ins rutschen zu kommen. Der gegenüberliegende Hang zog sich lang hin.

Irgendwann kamen wir an eine Wasserstelle, an der es willkommenen Schatten gab. Einige tranken von dem Wasser, welches überraschend klar aussah. Wir hielten uns jedoch lieber an unser mitgebrachtes Trinkwasser.

Es ging weiter bergauf, und langsam reichte es. Hinter jeder Biegung gab es Ausblick auf einen weiteren Hang, mit weiteren Stufen und Felsen.

Endlich kamen wir oben an, und fanden eine große Menge an Leuten vor. Ein Schattendach war aufgebaut worden, sogar Stühle waren in begrenzter Zahl den Berg hinauf geschafft worden. Es wurde zu traditioneller Musik getanzt.

Hier oben war nun das Grab von zwei deutschen Soldaten, die hier im ersten Weltkrieg gefallen waren. Ein Schild nannte die Namen und Ränge der Gefallenen.

Nach dieser Pause machten wir uns an den Abstieg. Diesmal kamen wir durch ein Dorf, welches wir beim Aufstieg nur am Rande gestreift hatten. Die Musiker waren inzwischen schon hier angekommen, und es wurde weiter getanzt.

Wir konnten auf dem Rückweg die Schleife zu den französischen Kriegsgräbern abschneiden, und dadurch einiges an Weg sparen. Es dauerte aber trotzdem eine gute Zeit, bis wir wieder unten im Tal waren. Die Sonne brannte jetzt mit voller Stärke.

Als alle unten waren, ging es mit den Bussen zum Sultan von Mora. Unterwegs kauften wir uns noch Trinkwasser, denn unsere Vorräte waren auf der Wanderung völlig zur Neige gegangen.

Vor dem Haus des Sultans waren Matten ausgelegt, und gerade wurden noch einige Sessel und ein Sofa herausgetragen und neben die Matten gestellt. Der Präfekt sowie einige andere Personen nahmen auf den Sesseln Platz, Christel bekam Platz auf dem Sofa. Dann rückte der Sultan mit seinen Leuten an, und setzte sich auf seinen Thron, den einer aus seinem Gefolge mitgebracht hatte. Seine Leute lagerten sich vor ihm auf den Matten.

Acht Reiter kamen auf ihren Pferden herbei. Sie sprengten paarweise die Strasse hinunter, und kamen nach einer ganzen Zeit als geschlossener Pulk wieder. Sie hielten direkt vor den Matten, und fuchtelten mit ihren Lanzen und Schwertern durch die Luft. Der Sultan und seine Leute standen dann auf, und hoben ebenfalls ihre Schwerter. Dazu wurde gerufen und gekreischt, die Trommeln wirbelten und ein alter Mann blies mit dicken Wangen in seine Flöte.

Das wiederholte sich noch zweimal, und auch dazwischen wurde getrommelt und geflötet. Dann sammelte der Sultan seinen Hofstaat wieder um sich, und schritt in seinen Palast zurück.

Wir fuhren mit unseren Bussen in das kleine Hotel zurück, welches in Mora schon unsere erste Station gewesen war.

Dort, auf der Terrasse vor dem Hotel, war ein Buffet aufgebaut, von dem wir uns stärken konnten. Es gab auch ein Getränk für jeden, welches man im Austausch gegen sein Namensschild bekam.

Nach dieser Pause bedankten wir uns bei unseren Gastgebern, und stiegen in unsere Busse. Gegen Ende des Nachmittags kamen wir wieder in Maroua an.

Es war ein schöner Ausflug gewesen. Die Leute in Mora haben sich die Mühe gemacht, einen beschilderten und markierten Weg in ihren Bergen anzulegen, und wir haben gemerkt, dass dieses Angebot nicht nur für Touristen interessant ist, sondern auch für Einheimische, die auf diese Weise Gelegenheit bekommen, eine neue Facette ihres Landes zu entdecken.

Martin Pusch

Für Windows-Nutzer:

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Tanzende Frauen (1,1 MB)
Flötenspieler (584 KB)
Fantasia (1,1 MB)

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Zum Thema bei Wikipedia:

Kaiserliche Schutztruppe

Wir fahren nach Dagai

Die Kinder haben Schulferien. Das ist eine gute Gelegenheit, einmal Maroua zu verlassen. Wir suchen uns das Dorf Dagai aus. Dort wurde vor ungefähr 50 Jahren die erste Missionsstation der EBM gegründet. Heute gibt es dort eine Kirche, eine Poliklinik, eine Entbindungsstation, eine Grundschule und ein landwirtschaftliches Projekt. Letzteres wird von Todou Raymond geleitet. Er und seine Frau kümmern sich auch um das Gelände. „Wir fahren nach Dagai“ weiterlesen

Eine Reise in den Tschad

Am 20. Februar, so gegen acht Uhr morgens, brechen wir von Maroua aus auf, um zunächst nach Kousserie zu fahren. Von Kousserie aus wollen wir dann nach N’Djaména, der Haupstadt des Tschads, die direkt von Kousserie gegenüber am anderen Flussufer liegt. Anschliessend wollen wir die Gelegenheit nutzen, und bis zum Tschadsee fahren. Denn wir wohnen nun schon fast seit neun Jahren in Nordkamerun, sind aber immer noch nicht bis zu diesem See vorgedrungen. „Eine Reise in den Tschad“ weiterlesen

Auf dem Flugplatz

Wir schauen durch das Seitenfenster hinein.
Wir schauen durch das Seitenfenster hinein.
Das Flugzeug wird betankt: aus einem Fass, mit Hilfe einer Handpumpe.
Das Flugzeug wird betankt: aus einem Fass, mit Hilfe einer Handpumpe.
Ein Blick in das Innere des Flugzeugs.
Ein Blick in das Innere des Flugzeugs.
Das Flugzeug ist jetzt startbereit.
Das Flugzeug ist jetzt startbereit.

Neulich hat Papa mit mir einen Ausflug gemacht. Wir sind zum Flughafen gefahren. Der ist ungefähr 24 km von unserem Haus entfernt.

Auf der Piste können auch grössere Maschinen landen, wie z.B. die Boeing 737, die schon deutlich mehr als 100 Passagiere transportieren kann.

Nun kommt aber nicht jeden Tag so ein grosses Flugzeug in Maroua an, und wenn dann noch ein Flug ausfällt, wird das Reisen schnell schwierig.

Bekannte von uns mußten aber unbedingt in Südkamerun Anschluß an den Flug nach Europa bekommen. Deshalb hatten sie von einer Organisation ein kleines Flugzeug gemietet.

Papa meinte, daß wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen sollten, das anzugucken.

Wir sind also nach Salak gefahren. Salak ist der Name von dem Dorf, das ganz nah beim Flughafen ist. Natürlich sind wir nicht ins Dorf gefahren sondern direkt zum Flughafengebäude.

Das stand da ganz friedlich und still in der Sonne. Schließlich stand für den Tag nur dieser eine Flug von unseren Bekannten auf dem Programm. Wir sind durch das Gebäude durch und auf’s Rollfeld. Da kam das Flugzeug schon. Ich sag Euch, das ist echt sehr klein. Am besten guckt Ihr Euch ein paar von unseren Bildern an. Es war lustig anzusehen, daß der Pilot sich zum Betanken auf einen Flügel gesetzt hat. Ich durfte mir das Cockpit anschauen. Direkt neben dem Piloten darf ein Passagier Platz nehmen. Dahinter ist nochmal Platz für vier Leute. Insgesamt hat man nicht viel Bewegungsfreiheit. Natürlich kann man während des Flugs auch nicht aufstehen. Dafür fliegt man tief und kann die Landschaft besser beobachten.

Ich hätte schon Lust auch mal so zu reisen. Vielleicht klappt es ja mal!

Timon

Tourismus: Ausflug nach Nigeria

Platz für Dorfpalaver
Platz für Dorfpalaver
Timon hält frisch geerntete Erdnüsse in der Hand – rechts das Feld
Timon hält frisch geerntete Erdnüsse in der Hand – rechts das Feld
Schlafstelle eines Hirten
Schlafstelle eines Hirten
Zwei Nigerianerinnen kommen uns mit ihren Traglasten entgegen.
Zwei Nigerianerinnen kommen uns mit ihren Traglasten entgegen.
Dies ist eine Grabstätte.
Dies ist eine Grabstätte.
Zwischen dem Führer und uns Kindern befindet sich die Grenze.
Zwischen dem Führer und uns Kindern befindet sich die Grenze.
Wir laufen an einem Hirsefeld längs.
Wir laufen an einem Hirsefeld längs.
Dies ist der Berg von Rhumsiki.
Dies ist der Berg von Rhumsiki.
Nun sind wir wieder zurück im Quartier.
Nun sind wir wieder zurück im Quartier.

Nun mache ich weiter mit meinem Bilderbericht. Die folgenden Aufnahmen entstanden an unserem dritten Reisetag, dem 27.10.2004. „Tourismus: Ausflug nach Nigeria“ weiterlesen

Tourismus: Les Gorges de Kola

Unmengen Granitfelsen
Unmengen Granitfelsen
Schlucht mit Wasserlauf
Schlucht mit Wasserlauf
Reißendes Wasser
Reißendes Wasser
Ruhige Stelle mit Sandstrand
Ruhige Stelle mit Sandstrand

In den Herbstferien sind Mama, Timon und ich für drei Tage verreist. Wir wollten mal ein paar typisch touristische Orte besuchen.

Da die Autos der ΕΒΜ zu altersschwach sind, haben wir es vorgezogen, ein Auto mit Chauffeur zu mieten. Eine Freundin von Mama ist übrigens auch noch mit uns gereist.

Als erstes fuhren wir die bekannte Strecke Richtung Garoua. Auf halbem Weg bogen wir von der Hauptsraße ab. In Guider gab es einen dezenten Hinweis darauf, daß links der Straße der Weg zu den „Gorges de Kola“ führt. Unterwegs hatten wir schon mehrmals den Mayo Louti überquert. Da er nicht mehr viel Wasser führte, konnten wir uns kaum vorstellen, daß es in dieser trockenen Gegend eine Schlucht geben könnte. Der Weg wurde immer schmaler, bis er schließlich endete. Links von uns entdeckten wir Unmengen Granitfelsen. Das sollte eine Schlucht sein? Ein paar Dorfjungens ließen nicht lange auf sich warten. Sie zeigten uns, wie wir am besten über diese Felsen klettern konnten. Und dann sahen wir tatsächlich tief unter uns das Wasser!

Die Führer wollten uns noch eine Badestelle zeigen. Das konnten wir uns nicht vorstellen, daß man in dem reißenden Wasser baden könnte. Wir balancierten also weiter, bis wir an eine Stelle oberhalb des Wasserlaufes kamen. Tatsächlich entdeckten wir dort eine ganz hübsche Bucht.

Hier erfrischten wir uns, indem wir durchs Wasser wateten. Wir bewunderten rote Libellen. Timon hat sich die Hosentaschen so voll Steine gepackt, daß wir Sorge hatten, er würde seine Hose verlieren. Für mich haben die Dorfjungens noch von einem besonderen grauen Felsen einen Stein herausgehauen. Mir gefiel die Farbe so gut!

Es war Mittagszeit und die Sonne brannte heiß. Da sind wir wieder zum Auto zurückgelaufen. Eine halbe Stunde später hatten wir eine Autopanne. Es war praktisch, daß dies gerade bei einem Marktflecken passierte. Mama kaufte uns weiche Brötchen. Eine Frau bot uns die besonderen kleinen Eßbananen an. Auf der anderen Straßenseite hat Mama noch Bororo-Frauen gegrüßt. Sie gehören zu einem Nomadenvolk und verkauften Milch von ihren Herden. Diese Frauen sind sehr hübsch!

Die Fahrt ging recht bald weiter. Durch die Reparatur muß es einen Kurzschluß gegeben haben. Denn nun ertönte ein andauernder schriller Pfeifton im Auto. Wir ließen uns davon aber nicht die gute Laune nehmen.

In Garoua haben wir erst mal unser Quartier bezogen. Dann sind wir zum Kunsthandwerkermarkt gegangen. Dort gab es interessante Sachen zu sehen. Ich habe mir ein Armband gekauft.

Anschließend haben wir eine Missionarsfamilie besucht und sind mit ihnen schwimmen gegangen. Abends hätten wir gerne noch das Nilpferd Africa von Nahem gesehen. Meist kommt es am späten Nachmittag bei der Brücke von Garoua aus dem Wasser. Als wir dort waren, war es aber noch in ca 200m Entfernung am Schwimmen.

Was wir bei der Weiterreise erlebt haben, erzähle ich hier!

Bernice