Kamerun stellt Telefon-Nummern um

In Kamerun werden die bisher achtstelligen Telefonnummern auf neun Stellen umgestellt.

Zeitpunkt der Umstellung: 21. November 2014 um Mitternacht, also in der Nacht zum 22. November. (Zeitangabe bezogen auf Kamerun. Die Uhrzeit in Kamerun entspricht ganzjährig der Winterzeit in Deutschland, es wird nicht auf Sommerzeit umgestellt.)

Falls Sie also nach diesem Datum jemanden in Kamerun erreichen wollen, müssen Sie dessen Telefonnummer entsprechend anpassen.

Umgestellt wird wie folgt (Angaben ohne Gewähr):

  • Bisher achtstellige Nummern, welche mit der Ziffer 2 oder der Ziffer 3 beginnen, bekommen eine 2 vorangestellt (Anbieter Camtel, aber es gibt Ausnahmen, siehe weiter unten).
  • Alle anderen bisher achtstelligen Nummern bekommen eine 6 vorangestellt (Anbieter MTN, Orange und Nextel).

Die internationale Vorwahl für Kamerun bleibt weiterhin: +237.

Ergänzung am 26.11.2014:

Erst jetzt habe ich festgestellt, dass die Telefongesellschaft Camtel den offiziellen Umstellungstermin dazu genutzt hat, auch intern manche Nummern umzustellen. Betroffen sind Nummern von sog. CTPhones, meistens Schreibtisch-Telefone mit einer kleinen Antenne. Nummern dieser Geräte werden wie folgt umgestellt: aus bisher 22 wird 242, und aus bisher 33 wird 243. Camtel bietet eine Seite an, auf welcher man sich die korrekte Umstellung anzeigen lassen kann. [Seite inzwischen offline]

Im Zuge der Umstellung kann es zu Störungen kommen.

Die offizielle Information der Regulierungsbehörde ART findet sich hier. [Seite inzwischen offline]

Am 26. Oktober 2001 war die Umstellung von sechs auf sieben Ziffern, und am 1.  Juni 2007 die Umstellung von sieben auf acht Ziffern.

Martin Pusch

Abschleppunternehmen

Gestern, am Samstag, wollte ich eigentlich in Ruhe an der Buchhaltung arbeiten. Es haben sich wieder Belege angesammelt (wo die bloß immer alle herkommen…). Der Monat März geht zu Ende, und damit auch das erste Quartal des Jahres, eigentlich eine gute Gelegenheit, einen Finanzbericht zu erstellen.

Dann, um elf Uhr, bekam ich einen Anruf vom Pastor unserer Gemeinde. Er war am Freitag hier in Maroua mit einem Toyota Hilux Pickup aufgebrochen. Der Wagen war schwer beladen, ausserdem waren sieben Personen an Bord. Die Fahrt sollte in die Berge gehen, nach Gamboura. Nun, die Kombination aus Gewicht und Bergen ist wohl der Kupplung des Fahrzeugs nicht gut bekommen, jedenfalls meinte unser Pastor, dass sie die Nacht am Wegesrand verbracht hätten. Eigentlich hatte er bereits am Freitag Abend jemanden angerufen, damit der das Fahrzeug abschleppt, aber am Samstag um elf Uhr war der immer noch nicht eingetroffen.

Ich telefonierte ein wenig hin- und her, und erfuhr so, dass die bereits benachrichtigten Personen kein einsatzbereites Fahrzeug hatten. Also, was tun?

Ich sprach kurz mit Christel, und fasste den Entschluss, selbst loszufahren. Unser Mitarbeiter Sali war bereit, mich zu begleiten. So luden wir Wasser und ein wenig Proviant in unseren alten Landcruiser. Eine Kiste mit Seilen, Gurten, einem Greifzug und weiterem Zubehör steht sowieso fast immer im Fahrzeug bereit.

An einer Tankstelle füllten wir noch Kraftstoff nach, um genügend Reserven zu haben. Und gegen 14 Uhr waren wir an Ort und Stelle. Wir fanden das Fahrzeug leer und verlassen am Rand des Weges. Ein Esel stand in der Nähe, Personen waren nirgends zu sehen. Ich hupte zwei lange Töne mit der Pressluft-Fanfare, und der Esel stimmte mit ein. Dann machte er sich vom Acker.

Wir untersuchten das Fahrzeug. Eine Tür war nicht verschlossen, so konnten wir die Motorhaube öffnen. Da schlug uns der Geruch der verbrannten Kupplung entgegen. Die hydraulische Betätigung der Kupplung hingegen schien in Ordnung zu sein. Es war genug Flüssigkeit im System.

Von weitem sahen wir zwei Personen kommen, den Fahrer und einen Sohn des Pastors. Sie hatten den Schlüssel des Fahrzeugs bei sich. So konnten wir die Kupplung ausprobieren. Aber bei laufendem Motor und eingelegtem Gang bewegte sich das Fahrzeug keinen Millimeter. Die einzige Lösung war wirklich, das Fahrzeug abzuschleppen.

Die Ladung war ja offensichtlich bereits abtransportiert worden, und auch die Personenzahl hatte sich deutlich verringert. Das machte die Sache einfacher.

Der Fahrer erzählte später, dass zufällig ein Mann mit Hühnern an dem parkenden Wagen vorbei kam. Der Fahrer und der Sohn des Pastors kauften dem Mann einen Hahn ab, und schlachteten ihn am Wegesrand. Mit Hilfe des Zigarettenanzünders setzten sie Brennmaterial in Brand, und brieten den Gockel an Ort und Stelle. So verpflegten sie sich also während der Wartezeit.

Wir wendeten den Hilux, und ich wendete den Landcruiser. Doch am Hilux gab es vorn keinen Haken oder Öse, um ein Abschleppseil einhängen zu können. Ich hatte aber eine Kette im Fahrzeug, die legten wir um das vordere Ende des Rahmens. Ein Schäkel verband die Enden der Kette, und diente gleichzeitig als Abschleppöse. Daran befestigten wir ein handelsübliches ruckdämpfendes Abschleppseil, welches mal jemand aus Europa mitgebracht hatte. Am Landcruiser gab es eine wuchtige Anhängerkupplung mit Bolzen, dort wurde der andere Haken befestigt.

Landcruiser und Hilux stehen in karger Landschaft, das Abschleppseil ist vorbereitet.
Das Abschleppseil ist eingehängt, gleich kann es los gehen.

Ich vereinbarte mit dem Fahrer des Hilux noch, auf welches Signal wir anhalten würden. Ausserdem schärfte ich ihm ein, das Seil straff zu halten. Dann ging es los.

Zunächst fuhren wir einen relativ steilen Hang hinab, und andere Seite wieder hinauf. Ich fuhr langsam, teilweise musste ich bergauf in den ersten Gang zurück schalten. Als wir dann aus den Bergen heraus waren, fuhr ich etwas schneller.

Irgendwann rief Sali, der bei mir mitfuhr, dass die anderen nicht mehr hinter uns seien. Tatsächlich waren sie verschwunden, aber wir hatten auch kein Hupzeichen gehört. Wir stiegen aus, und sahen nach: Das Seil hing noch an unserem Fahrzeug. Und ein ganzes Stück zurück stand der Hilux mitten auf der Strasse. Ich legte das Seil auf den hinteren Stossfänger, und fuhr langsam rückwärts den Weg zurück.

Es stellte sich heraus, dass sich der Bolzen des Schäkels gelöst hatte und verloren gegangen war. Wir suchten eine Weile nach diesem Bolzen, gaben es aber schliesslich auf. Ich hatte noch zwei Schäkel in der passenden Grösse dabei, davon nahmen wir einen. Diesmal zog ich den Bolzen mit der Zange so fest, wie ich konnte. Ausserdem holte ich zwei Handfunkgeräte aus meinem Rucksack. An die hatte ich zunächst nicht gedacht, aber nun erklärte ich dem Sohn des Pastors, welche Taste er zum Sprechen drücken musste, und dass er zum Hören der Antwort die Taste wieder loszulassen hatte. Nach einem kurzen Test der Sprechverbindung verteilen wir uns wieder auf die Fahrzeuge. Sali, als Beifahrer, bekam also im Landcruiser die Aufgabe des Bordfunkers. Er kannte die Geräte bereits, wir hatten sie zuletzt zehn Tage früher beim Vermessen in Gamboura benutzt.

Blick am Fahrzeug längs: Staubiger Weg, wüstenähnliche Landschaft, in welcher einige Rinder nach Verwertbarem suchen.
Die Landschaft hat ihren Reiz, doch für eine Panne sollte man eine weniger abgelegene Stelle wählen.

Diesmal kamen wir nicht sehr weit. Während der Durchfahrt durch ein trockenes Flussbett hing wohl das Seil zu weit durch, jedenfalls gab es einen starken Ruck, als ich gegenüber die Böschung wieder hochfahren wollte. Sofort kam die Meldung über das Funkgerät: Der Haken am Hilux hatte sich gelöst. Das Sicherungsblech war verbogen, mit Hilfe der Zange konnten wir es aber gerade biegen.

Noch ein Stück weiter riss schliesslich das Seil in der Mitte durch. Wir knoteten es zusammen, und dieser Knoten hielt bis Maroua.

Inzwischen klappte die Zusammenarbeit immer besser, das Seil blieb schön straff, und es gab keine heftigen Rucke mehr. Ich fuhr immer schön langsam die Böschungen hoch, wenn wir durch einen der zahlreichen ausgetrockneten Wasserläufe fuhren. Die Funkgeräte halfen, denn so konnten wir uns gegenseitig Hinweise geben.

Für die Fahrt in der Stadt hatte ich mir Gedanken über die beste Route gemacht. Ich wählte eine Strecke, auf welcher ich nur rechts abbiegen musste, nie links, abgesehen von der Einfahrt auf das Gelände des Technischen Zentrums. Dort parkten wir den Hilux vor der Werkstatt. Der Bolzen des Schäkels liess sich mit meiner Zange nicht mehr lösen, also liessen wir die Kette vorläufig am Fahrzeug.

Wieder zuhause, waren seit dem Anruf sieben Stunden vergangen, und wir hatten etwa 160 km zurückgelegt. Ich war ziemlich müde, auch am nächsten Tag noch spürte ich jeden Muskel. Die Waage zeigte den Verlust von etwa zwei Kilogramm an, was sicher nicht nur am verpassten Mittagessen lag. Denn im Moment ist es recht heiss, das Thermometer steht für mehrere Stunden am Tag auf 40°C im Schatten.

Martin Pusch

Klempnerarbeiten in Dagai

Die Missionsstation in Dagai besteht nun schon seit vielen Jahren. In dieser Zeit haben Missionare und einheimische Mitarbeiter dort eine Gemeinde, eine medizinische Arbeit, eine Grundschule und ein landwirtschaftliches Projekt aufgebaut.

Es gibt eine Reihe von Wohnhäusern, die Gebäude der Klinik, Klassenräume, Wohnungen für Lehrer, die Kirche, ein Wohnhaus für den Pastor, Werkstatt und Lagerräume, zwei direkt nebeneinander stehende Wassertürme und einen Tiefbrunnen. Der elektrische Strom kommt von einem kleinen Generator, einem Ein-Zylinder-Motor von Hatz. Wenn der Motor läuft, befördert eine elektrische Pumpe im Tiefbrunnen Wasser in die beiden Wassertürme.

Zwei Wassertürme aus Beton stehen Seite an Seite.
Die beiden Wassertürme in Dagai.

Früher war es nicht so wichtig, zu wissen, wer nun genau wie viel Wasser verbraucht hat. Die Mission unterstützte die „Station Dagai“ insgesamt. Das spiegelt sich auch in der Infrastruktur wider: Die Wassertürme sind in Kammern unterteilt. Abends wurde der Generator gestartet, um für etwa vier Stunden Strom für die Beleuchtung der Häuser zu liefern, und die Kammern in den Wassertürmen aufzufüllen. Eine Kammer war für die medizinische Arbeit reserviert, eine andere für den Pastor, eine für die Schule, und eine für die Wohnhäuser der Missionare.

Ein kleiner Generator auf einem fahrbaren Rohrgestell.
Der Hatz-Generator der Station Dagai.

Inzwischen sind die verschiedenen Arbeitsbereiche jedoch organisatorisch und finanziell eigenständig. Auch wenn die Arbeit teilweise immer noch von aussen unterstützt wird, so laufen Gemeinde, medizinische Arbeit, Schule und landwirtschaftliches Projekt mit getrennten Kassen, und unter der Leitung von unterschiedlichen Gremien oder Personen. So sind nun die Kliniken von verschiedenen Orten unter einer gemeinsamen Leitung zusammengefasst, und auch die Schulen haben ihre eigene Struktur.

Ideal wäre es, wenn der Unterhalt und die Kraftstoffkosten für den Generator anteilig von den verschiedenen Nutzern getragen würden. Grundlage für die Berechnung ist der Wasserverbrauch. So haben wir vor einigen Jahren Wasseruhren in die verschiedenen Leitungen eingebaut, um den Verbrauch zu ermitteln.

Das Generatorhaus, es gibt auch eine Grube für Reparaturen an Fahrzeugen.
Das Generatorhaus, es gibt auch eine Grube für Reparaturen an Fahrzeugen.

Ob der Verbrauch dadurch zurückgegangen ist? Jedenfalls braucht der Generator nun nicht mehr täglich zu laufen. Dazu beigetragen hat auch die Entscheidung, nicht mehr jeden Abend für elektrische Beleuchtung zu sorgen. Der Generator wird nur noch zum Füllen der Wassertürme und zur Sterilisierung der Instrumente in der Klinik genutzt.

In dieser neuen Situation störten die Kammern in den Wassertürmen. War die ihm zugeordnete Kammer leer, bekam einer der Arbeitsbereiche kein Wasser mehr, auch wenn in anderen Kammern noch ausreichend Vorrat war. Wir haben daher entschieden, die Wassertürme umzubauen. Die Zwischenwände sollten durchbohrt werden, und beide Wassertürme zu einer einzigen Reserve zusammengefasst werden. Gleichzeitig wollte ich die Wasseruhren direkt an den Beginn der Leitungen bei den Wassertürmen einbauen. Denn so wird jeder Arbeitsbereich auf dem Gelände für seine eigene Leitung verantwortlich: Lecks in den Leitungen werden gleich mitgezählt, die dadurch entstehenden Kosten geben den Anreiz, die Reparatur nicht so lange hinauszuzögern.
Wir fuhren an einem Tag nach Dagai, um uns alles anzusehen, und aufzulisten, was wir alles brauchen würden. Wir sprachen mit Raymond einen Termin ab, an welchem wir die Arbeiten durchführen wollten. Die Türme sollten dann leer sein, weil wir die Leitungen abbauen wollten. Es gab zwar Absperrhähne, aber diese mussten ebenfalls ersetzt werden. Wir einigten uns auf einen Samstag, da wir dann zu dritt nach Dagai fahren konnten. Wir wollten die Arbeit gerne an einem einzigen Tag wenigstens so weit zum Abschluss bringen, dass die Wasserversorgung wieder hergestellt war.

Kofferraum, beladen mit Werkzeug, Generator und Arbeitsmaterial.
vorbereitetes Werkzeug, Generator und Arbeitsmaterial.

Am Dienstag bekam ich Nachricht aus Dagai, dass sich der Generator nicht mehr starten liesse. Ich hatte keine Zeit, zwischendurch noch einmal dorthin zu fahren. In Maroua baute unser Mitarbeiter Sali unterdessen schon einen Wasserverteiler zusammen, an den dann die Wasseruhren angeschlossen werden sollten.

Am Freitag Nachmittag beluden wir das Fahrzeug. Auf das Dach packten wir drei unterschiedlich lange Leitern, sowie einige Rohre und den vormontierten Verteiler. In den Kofferraum kam das Werkzeug, die Wasseruhren, allerlei anderes Material, Bohrmaschinen, Verlängerungskabel, ein kleiner Generator und der Schraubstock für Rohrarbeiten. Am nächsten Morgen kam noch ein guter Vorrat an Trinkwasser hinzu.

Landcruiser mit Leitern auf dem Dachgepäckträger
Das beladene Auto vor der Abfahrt.

Wir fuhren gegen sieben Uhr in Maroua ab: Sali, unser Fahrer Timothée und ich. Die Fahrt nach Dagai dauert etwa 90 Minuten. Die Strasse war in gutem Zustand, wegen der Leitern auf dem Dach fuhren wir aber etwas langsamer als sonst.

Wegnehmen von Betonplatten.
Sali öffnet die Abdeckungen eines der Wassertürme.

In Dagai angekommen, begrüssten wir Raymond und Jacob, die dortigen Mitarbeiter, und machten uns unverzüglich an die Arbeit. Wir lehnten die Leitern an und packten das mitgebrachte Werkzeug aus. Als wir die Wassertanks oben auf den Türmen öffneten, fanden wir innen bereits alles staubtrocken. Auch in den Rohren fanden wir kein Wasser mehr.

Metalltisch mit verschiedenen Werkzeugen.
Ein Teil des benutzten Werkzeugs.

Während die anderen die alten Rohre auseinander bauten und schnitten, stellte ich den mitgebrachten kleinen Generator auf, und legte ein Kabel bis in eine der Kammern eines Turms. Mit Hilfe eines alten AEG Bohrhammers, den wir in Maroua gebraucht auf dem Markt erstanden hatten, bohrte ich Löcher in die Trennwände. Dann zeigte ich einem Mitarbeiter die Bedienung des Bohrhammers, und stieg wieder nach unten.

Jacob durchbohrt eine Zwischenwand aus Beton.
Jacob durchbohrt eine Zwischenwand aus Beton.

Unten musste besprochen werden, wie nun die neuen Rohre verlaufen sollten. Wir versuchten, sie möglichst so einzubauen, dass Kinder sie nicht als Klettergerüst missbrauchen konnten.

Sali und Timothée lösen eine alte Rohrverbindung.
Sali und Timothée lösen eine alte Rohrverbindung.

Zwischendurch nahm ich meine Werkzeugkiste, und ging zum Generatorhaus der Station, um nachzusehen, warum der Hatz-Motor nicht starten wollte. Ich fand, dass ein Schlauch undicht war, und das Einspritz-System über diese undichte Stelle Luft zog. Ich hatte zwar keinen passenden Schlauch dabei, ich bekam aber von den Mitarbeitern in Dagai ein Stück Kraftstoffleitung für Motorrad. Statt Schlauchschellen verwendete ich Bindedraht. Damit lief der Motor wieder. [Anm.: Inzwischen habe ich in Douala das richtige Material gekauft, und den Motor dauerhaft repariert.]

Motor mit diversen schwarzen Leitungen.
Kraftstoffleitungen am Generator, inzwischen ordentlich repariert.

Gegen 13 Uhr machten wir eine halbe Stunde Pause. Valentine, Raymonds Frau, hatte Essen vorbereitet.

EIne Reihe von Absperrhähnen, ein Wasserzähler ist bereits montiert
Hier entsteht die neue Wasserverteilung, ein Wasserzähler ist bereits montiert.

Um 16.45 Uhr konnten wir den Generator starten, und damit anfangen, Wasser in die Türme zu pumpen. Zwar hatten wir nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten, doch waren wir immerhin so weit gekommen, dass alle wieder Wasser hatten. Unsere Leitungen waren dicht, und wir packten unser Werkzeug ein. Auch die Leitern banden wir wieder auf das Dach. Wir beeilten uns, denn einerseits wollten wir noch vor der Dunkelheit eine möglichst grosse Strecke schaffen. Andrerseits sah es nach Regen aus, und wir wollten uns nicht von vollen Flussbetten den Weg abschneiden lassen. So verabschiedeten wir uns, und machten uns schleunigst auf den Weg.

Wasser läuft in den Wasserturm.
Wasser läuft in den Wasserturm.

Wir waren schon durch das breiteste Flussbett, den Mayo Louti, hindurch, da fing es tüchtig an zu regnen. Dann kam noch starker Hagel hinzu, es hörte sich an, als ob die Windschutzscheibe jeden Moment in Stücke springen würde. Wir fanden einen geeigneten Baum nicht weit von der Piste, und stellten uns mit dem Auto erst einmal dort unter. Während wir da standen, konnten wir beobachten, wie die Leute aus dem nahen Dorf mit Schüsseln draussen herumliefen und die Hagelkörner einsammelten. Meine Mitarbeiter meinten, dass sie die dann als Eis lutschen würden.

Vegetation am Strassenrand, Regenwolken.
Vegetation am Strassenrand, Regenwolken.

Der Hagel liess nach, aber es regnete immer noch kräftig. Wir verliessen unseren Platz unter dem Baum, und fuhren weiter. Die Scheibenwischer arbeiteten auf schnellster Stufe, gleichzeitig machten wir auf der dem Wind abgewandten Seite die Fenster etwas auf, damit die Scheiben nicht beschlugen.

Wir fuhren so etwa zehn Minuten lang dahin, als wir an den Rand des Regengebiets kamen. Nach kurzer Zeit fuhren wir durch völlig trockenes Gebiet, während es hinter uns noch heftig regnete. Der Wind wirbelte eine Staubwolke auf, der Sand knirschte zwischen den Zähnen. Der dunkle Himmel schuf eine eigenartige Atmosphäre.
Als es dunkel wurde, hatten wir bereits das grösste Stück der Piste hinter uns. Die Dunkelheit bricht schnell herein. Zwischen dem Moment, wo man die Sonnenbrille absetzen kann, und dem Moment, wo man die Scheinwerfer braucht, liegt etwa eine halbe Stunde. Eine Fahrt im Dunkeln ist nicht mit einer Nachtfahrt in Deutschland zu vergleichen. Es gibt keine Leitpfosten und keine reflektierenden weissen Linien auf der Strasse. Dafür gibt es Herden mit dunklen Rindern, welche die Strasse kreuzen. Es gibt Radfahrer ohne irgendwelche Reflektoren oder Lichter. Auf der Piste waren auch noch Erdhaufen aufgeschüttet, als Material, um den Weg zu reparieren. So ein Erdhaufen ist schlecht zu sehen. Bei den Löchern hingegen ist es einfacher: Man muss so lange auf die Bremse treten, bis man den Grund des Loches sieht. Ist das Loch nur flach, sieht man den Grund des Loches recht früh, und kann es auch bei höherem Tempo nehmen. Manche Löcher sind jedoch recht tief, und dann ist Schritttempo angebracht.

Eben noch Regen, und kurz darauf fahren wir wieder durch staubiges Gelände.
Eben noch Regen, und kurz darauf fahren wir wieder durch staubiges Gelände.

Schlussendlich erreichten wir die Teerstrasse, und fuhren vorsichtig und gemütlich nach Maroua zurück. Als wir endlich auf unserem Gelände angekommen waren, räumten wir noch unser Werkzeug auf, und luden die Leitern ab. Es war schon fast halb acht, als wir damit fertig waren. Wir waren müde, aber auch zufrieden, denn der Tag war gut verlaufen.

Ich hätte mir nun eigentlich noch Gedanken über die beiden Gottesdienste am nächsten Vormittag machen müssen. Ich hatte für den ersten Gottesdienst die Predigt übernommen, und für den zweiten die Leitung und die Predigt. Ich zog es vor, für den nächsten Morgen den Wecker zwei Stunden früher zu stellen. So sass ich also am frühen Sonntag Morgen im Büro, schrieb meine Predigt fertig und arbeitete den Ablauf des Gottesdienstes aus. Es hat dann auch alles gut geklappt, wofür ich dankbar war.

Hier drüber ist noch ein Film von der Fahrt, in welchem die Strasse und die Landschaft gezeigt wird, sowie die Ankunft in Dagai.

Martin Pusch

Niederschläge 2010

Regenwerte 2010 im Vergleich zu anderen Jahren
Regenwerte 2010 im Vergleich zu anderen Jahren

Die Regenzeit 2010 hat, nach den Messwerten, weniger Regen gebracht als andere Jahre. Und doch sind manche Leute der Meinung, dass es dieses Jahr viel geregnet habe. Denn es gab einige Tage, an welchen gewaltige Mengen Wasser herunter kamen. In Pouss hat es eine Überschwemmung gegeben, welche viele Familien obdachlos gemacht hat. Einige Kirchen haben für diese schwierige Situation Hilfe mobilisiert.

Datum Menge 2010
22.04.2010 1 1
30.04.2010 7 8
01.05.2010 1 9
05.05.2010 6 15
06.05.2010 15 30
19.05.2010 12 42
21.05.2010 2 44
05.06.2010 21 65
06.06.2010 3 68
13.06.2010 6 74
14.06.2010 23 97
21.06.2010 3 100
23.06.2010 2 102
25.06.2010 8 110
26.06.2010 4 114
27.06.2010 23 137
03.07.2010 10 147
06.07.2010 3 150
08.07.2010 23 173
16.07.2010 18 191
19.07.2010 20 211
21.07.2010 7 218
22.07.2010 4 222
23.07.2010 5 227
24.07.2010 10 237
25.07.2010 45 282
26.07.2010 34 316
30.07.2010 1 317
07.08.2010 1 318
08.08.2010 3 321
11.08.2010 12 333
12.08.2010 33 366
14.08.2010 5 371
15.08.2010 4 375
18.08.2010 6 381
19.08.2010 11 392
24.08.2010 9 401
26.08.2010 12 413
27.08.2010 1 414
28.08.2010 10 424
29.08.2010 14 438
01.09.2010 13 451
02.09.2010 20 471
04.09.2010 23 494
06.09.2010 80 574
07.09.2010 2 576
09.09.2010 3 579
16.09.2010 12 591
20.09.2010 25 616
25.09.2010 7 623
28.09.2010 1 624
30.09.2010 23 647
03.10.2010 1 648
04.10.2010 15 663
05.10.2010 5 668
08.10.2010 5 673
11.10.2010 15 688
19.10.2010 1 689
20.10.2010 15 704
23.10.2010 1 705
25.10.2010 5 710

Wir selbst haben auch einige größere Regenfälle registriert, wie z.B. am 6. September 2010. An diesem Tag regnete es zwei Mal ganz ordentlich, ein Regen mit 47 mm, und gleich noch einer mit 33 mm Niederschlag.

Die Monate Juli und August waren wir nicht hier in Maroua. Unsere Nachbarin, Laurence Turquais, hat während unserer Abwesenheit unseren Regenmesser übernommen, und die Werte notiert. Später, Mitte Oktober, gab es ein Problem mit dem Messtrichter. Darin liegt normalerweise ein kleines Gitter, doch der Wind hatte es fortgeweht. So haben Blätter den Trichter verstopft, und ich musste einige Regenmengen abschätzen, bis wir den Trichter vom Dach geholt und gesäubert hatten.

Vergleich der einzelnen Monate.
Vergleich der einzelnen Monate.

Nun, während ich diese Zeilen schreibe, ist die Luftfeuchtigkeit bereits auf 40% abgesunken. Um 17.30 Uhr ist es drinnen und draussen gleichermassen warm: 33,2°C.

Ausführliche Tabellen zu anderen Jahren gibt es hier: 20092008200720052004.

Martin

Sparkasse

Wir leben nun schon eine ganze Reihe von Jahren in Maroua. Und fast ebenso lange kümmere ich mich um Verwaltung und Finanzen. Nicht ausschliesslich zwar, aber doch den überwiegenden Teil meiner Zeit. Und trotz der vielen Jahre mache ich immer noch neue Erfahrungen. Von einer dieser Erfahrungen will ich hier berichten.

Einer unserer Geländewagen ist alt geworden. Seit mehr als 25 Jahren wurde er von verschiedenen Personen genutzt. Zwar fuhr er pro Jahr nur etwa 10.000 km, aber diese Kilometer hatten es oft in sich. Schon manchmal habe ich gedacht, man hätte neben dem Kilometerzähler auch noch einen Betriebsstundenzähler einbauen sollen. Denn oft sind wir hier zwar lange unterwegs, schaffen jedoch nur wenige Kilometer.

Nun beschliessen wir, diesen Wagen zu verkaufen. Nicht nur, dass der Wagen alt ist, es wird auch immer schwieriger, dafür noch Ersatzteile zu finden.

Mehrere Leute interessieren sich für das Fahrzeug, bieten aber nur wenig Geld dafür. Dann kommt jemand, der gleich deutlich mehr bietet. Da es sich hierbei auch noch um den Ältesten einer Gemeinde handelt, der das Fahrzeug auch für die Arbeit der Gemeinde mit nutzen will, bekommt er den Zuschlag.

Er muss also das Geld für den Kauf bringen. Er erklärt uns, dass er mit einem anderen Mann zusammen eine Sparkasse habe. Ich frage nach, ob er das Geld auf der Bank habe. Nein, nicht auf der Bank, sondern zuhause.

Am nächsten Tag schicken die beiden Männer jeder einen Sohn, welche uns gemeinsam das Geld bringen. Vielleicht kommen sie zu zweit, weil es einfach sicherer ist. Auf jeden Fall aber kommen sie zu zweit, weil das Gewicht des Geldes so hoch ist. Denn fast der gesamte Betrag besteht aus 500F-Münzen. Zwei von unseren Mitarbeitern sind eine ganze Weile beschäftigt, zusammen mit den beiden jungen Männern das Geld zu sortieren, zu zählen und zu rollen.

Nachdem also das Geld bei uns ist, setze ich einen Kaufvertrag auf, mit dem Titel „Certificat de Vente“. Im Grunde stehen dort die Daten des Verkäufers, des Käufers und des Fahrzeugs untereinander, dazu der Kaufpreis, Ort und Datum, und die beiden Unterschriften.

Als nächsten Schritt muss nun eine Behörde die Echtheit meiner Unterschrift bestätigen. Vor einigen Jahren war ich auf dieser Behörde, und habe meine Unterschrift dreimal in einem dicken Buch hinterlegt. Dieser Eintrag in dem Buch hat eine Nummer. Auf dem Kaufvertrag habe ich die Nummer meiner Unterschrift notiert. Mein Mitarbeiter hat nun den Kaufvertrag dieser Behörde vorgelegt, welche die Echtheit meiner Unterschrift bestätigt hat. Die Gebühren hierzu betragen 1.000 F CFA (etwa 1,50 EUR). Ausserdem behält die Behörde eine Fotokopie des Kaufvertrags, sowie eine Kopie des Fahrzeugscheins.

Das Original des Fahrzeugscheins streiche ich nun mit einem roten Stift durch, und notiere quer über das Papier „vendu“ — verkauft. Der Fahrzeugschein heisst hier „carte grise“, wörtlich also „graue Karte“, und enthält deutlich weniger Angaben als ein Fahrzeugschein in Deutschland.

Der Käufer bekommt von mir das beglaubigte Original des Kaufvertrags, und ich behalte eine Kopie. Ausserdem bekommt er den durchgestrichenen Fahrzeugschein. Natürlich habe ich ihm auch sämtliche Schlüssel des Fahrzeugs gegeben. Er hat einen Fahrer geschickt, welcher das Fahrzeug abgeholt hat.

Der Käufer muss nun mit dem Original des Kaufvertrags zum Finanzamt gehen, und dort fünf Prozent des Kaufpreises als einmalige Steuer zahlen. Die nächste Station ist die Zulassungsstelle. Dort wird der alte Fahrzeugschein eingezogen, und ein neuer Schein ausgestellt. Dieser Vorgang dauert mehrere Tage, und kostet noch einmal Gebühren. Das Fahrzeug bekommt bei dieser Gelegenheit ein neues Kennzeichen zugeteilt. Man muss also noch neue Kennzeichen anfertigen lassen, was mindestens zwei Wochen dauert.

Doch warum hat uns der Käufer den Kaufpreis in Geldmünzen gebracht? Das musste ich doch noch herausfinden.

Zuerst hatte ich es so verstanden, dass er das Geld angespart hatte, also nach und nach zurückgelegt, und dass es sich deshalb um Münzen handelte. Doch bei einem Gespräch machte der Käufer eine Bemerkung, welche mich auf den wahren Grund brachte: Münzen überstehen ein Feuer besser, und werden auch von den Termiten nicht aufgefressen. Vielleicht schützt das hohe Gewicht der Münzen auch besser vor Dieben, das weiss ich nicht. Der Hauptgrund war jedenfalls die Angst, durch ein Feuer das gesamte Geld zu verlieren.

Martin

Volkszählung

Im Zeitraum vom 11. bis 30. November 2005 wurde in Kamerun eine Volkszählung durchgeführt. Eine Reihe von Leuten aus unserem Bekanntenkreis konnte sich als Volkszähler ein kleines Zubrot verdienen. Ein Ergebnis wurde aber zunächst nicht bekannt gegeben.

Nun, im April 2010, kamen die Ergebnisse heraus. Hochgerechnet auf Anfang Januar 2010 hatte Kamerun 19.406.100 Einwohner. Die Bevölkerungszahl wächst im Moment mit einer Rate von 2,6% pro Jahr. Vor fünf Jahren wurden 17.463.836 Einwohner gezählt. Die Zählung war mit einem Fragebogen verbunden, 85,9% der Bevölkerung soll bei der Befragung berücksichtigt worden sein. Die Stammeszugehörigkeit der einzelnen Personen wurde nicht abgefragt, und ist übrigens auch nicht aus dem Personalausweis ersichtlich.

Die Verteilung der Bevölkerung auf die verschiedenen Regionen wird in folgender Tabelle deutlich:

Region Bevölkerung % Fläche
in km
2
% Bevölkerung
pro km
2
Adamaoua 884.289 5,1 63.701 13,7 13,9
Mitte (Yaoundé) 3.098.044 17,7 88.953 14,8 44,9
Ost 771.755 4,4 109.002 23,4 7,1
Äusserster Norden 3.111.792 17,8 34.263 7,4 90,8
Küste (Douala) 2.510.283 14,4 20.248 4,3 124,0
Nord 1.687.859 9,7 66.000 14,2 25,5
Nord-West 1.728.953 9,9 17.300 3,7 99,9
West 1.720.047 9,9 13.892 3,0 123,8
Süd 634.855 3,6 47.191 10,1 13,4
Süd-West 1.318.079 7,5 26.410 8,4 51,8
Gesamt 17.463.836 100 466.050 100 37,5

Die Hälfte der Bevölkerung war weniger als 17,7 Jahre alt, 43,6% der Bevölkerung war unter 15 Jahre alt, nur 5,5% waren über 60 Jahre alt.

Von der Deutschen Botschaft in Jaunde bekamen wir noch folgende Zahlen aus dem Volkszählungsbericht:

48% der Bevölkerung lebte in Städten.

38% der Bevölkerung war katholisch, 27% protestantisch, 21% muslimisch, 6% animistisch, 4% zählten sich zu anderen christlichen Gruppierungen.

Eine offizielle Veröffentlichung der Volkszählungsergebnisse im Internet habe ich bisher nicht finden können. Die von mir wiedergegebenen Zahlen stammen aus Kameruner Medien, und von der Botschaft in Jaunde.

Martin Pusch

Es ist warm…

Wahrscheinlich wird dies niemanden wirklich überraschen, wenn ich schreibe, dass es bei uns warm ist. Schliesslich wohnen wir in Afrika, und da ist es bekanntermassen warm. Und in gewisser Weise gewöhnt man sich auch an die Wärme.

So spielt das Wetter für uns einen grossen Teil des Jahres keine Rolle, wenn wir etwas planen. Ungefähr die Hälfte des Jahres können wir davon ausgehen, dass es nicht regnen wird. Bei einer Feier brauchen wir also keinen Plan „B“ für Regen.

Trotzdem gibt es auch hier kühlere und wärmere Zeiten. Kühl ist es normalerweise im Januar, weil dann der Harmattan weht, ein staubbeladener Wind aus der Wüste. In der Wüste kühlt es ja bekanntermassen nachts ziemlich ab, und das tut es dann auch bei uns. Und tagsüber wird es nicht so heiss, weil die Sonne durch den Staub nur eingeschränkt durchdringt. Begrüsst wird sich in dieser Zeit mit: „Wie geht es dir mit der Kälte?“

Die Monate März und April sind besonders warm. Im März herrscht trockene Hitze vor, während es im April bereits vereinzelt zu kräftigen Regenstürmen kommt. Diese sind örtlich begrenzt, und so steigt auch bei uns die Luftfeuchtigkeit an, obwohl wir bisher noch keinen Tropfen Regen abbekommen haben. Je feuchter die Luft wird, desto schlechter lässt sich die Wärme aushalten. Begrüsst wird sich in dieser Zeit mit: „Wie geht es dir mit der Müdigkeit?“

Thermometer: 42°C aussen; 36,1°C innen
Thermometer im Wohnzimmer: 42°C Aussentemperatur, 36,1°C innen. Die angezeigte Uhrzeit stimmt nicht, es war gegen 13 Uhr.

Die Wärme hat nicht nur Nachteile. Die Wäsche trocknet fast so schnell, wie man sie auf die Leine hängt. Das Geschirr kommt vorgewärmt aus dem Schrank. Allerdings ist das Geschirr immer vorgewärmt, auch wenn man vielleicht ein wenig Schokolade auf einem Teller anrichten will.

Hygrometer: knapp 40 Prozent Luftfeuchtigkeit
Hygrometer, zur gleichen Zeit.

Durch die Wärme werden wir aber auch schneller müde. Nahrungsmittel verderben schneller, wenn sie nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden. Dort herrscht aber bereits drangvolle Enge, denn es gibt so vieles, was kühl aufbewahrt werden muss: Medikamente, Filme, Filzstifte, Marmelade, Schokolade… Und wenn der Kühlschrank zu voll ist, kann die Kälte darin nicht mehr richtig zirkulieren.

Bei der Wärme ist es richtig erfrischend, kühles Wasser zu trinken. Damit wir nun nicht immer für jedes Glas Wasser den Kühlschrank aufreissen müssen, stehen dort zwei Kanister mit je fünf Litern Wasser drin. Morgens und am späten Nachmittag wird dieses Wasser in einen isolierten Behälter gefüllt, zusammen mit einigen Brocken Eis. Damit bekommt der Kühlschrank Zeit, die nächste Ladung zu kühlen. Und wer etwas trinken will, zapft aus dem isolierten Behälter, der bei uns 13 Liter fasst.

Neulich hatten wir so viel Besuch, dass wir diesen Behälter an einem Tag sechs Mal aufgefüllt haben. Und im Abwasch sind immer ganz viele Gläser… Die Kinder nehmen Wasser mit in die Schule, und dürfen auch während des Unterrichts davon trinken. Allerdings bekommen sie nie Hitzefrei. Das einzige Zugeständnis an die Hitze ist, dass der Sportunterricht in der heissen Zeit gleich morgens stattfindet, und nicht erst am Nachmittag.

Fliegen in der Ecke vom Hauseingang
Viele Fliegen fliegen Fliegen nach — und landen vor unserer Haustür.

Fliegen scheinen immer an einen kühlen Ort zu wollen. Wenn es draussen heiss ist, versuchen sie in Scharen, sich in die Ecken unseres Hauseingangs zu verdrücken. Jedes Mal, wenn die Türe einen Moment offen ist, können einige dieser Fliegen hereinschlüpfen. Doch am späten Abend ist es draussen etwas kühler als im Haus. Dann hängen die Fliegen von innen im Fliegengitter des Küchenfensters. Bis zum Morgen sind sie meist gestorben, und liegen innen auf dem Fensterbrett.

Computer und andere elektronischen Geräte sind oft nur für einen Temperaturbereich bis 35°C gebaut. Den Videoprojektor braucht man bei unseren derzeitigen Temperaturen nicht auszupacken, er schaltet sich sowieso nach kurzer Zeit wegen Überhitzung ab. Aber auch manche Computer hängen sich immer öfter auf, je wärmer es ist. Generell halten elektrische und elektronische Geräte nicht so lange in der Hitze durch. Dies hängt wohl auch mit den Kondensatoren zusammen, in denen das Elektrolyt bei Wärme schneller austrocknet.

Jedenfalls freuen wir uns, dass die heisse Zeit bald überstanden sein wird. An anderen Orten in der Gegend hat es schon geregnet, bei uns blieb es bisher aber noch trocken.

Martin

Fliegen auf der Bank vor unserer Haustür.
Fliegen auf der Bank vor unserer Haustür.

Staub in der Luft

Gestern, am 18.03.2010, kam er: dicker, gelber Staub. Es war nicht besonders windig. Wahrscheinlich wurde der Staub in grosser Höhe aus der Wüste Sahara in unsere Gegend geweht, und senkte sich nun über die Stadt und die ganze Gegend ab.

Baum fast verdeckt durch dicken Staub
Staub in Maroua

Die Luft, ohnehin schon dick durch die Wärme (tagsüber 36° C), kann man kaum mehr atmen. Der Staub verteilt sich in der ganzen Wohnung, die Fenster stellen kein grosses Hindernis dar. Das Bett ist voller Staub. Das Handtuch im Bad muss erst ausgeschüttelt werden. Der oberste Teller aus dem Geschirrschrank geht direkt in den Abwasch. Unsere Internet-Verbindung wird ebenfalls durch den dicken Staub beeinträchtigt. Das für heute eigentlich vorgesehene Flugzeug kann mangels ausreichender Sicht nicht in Maroua landen.

Das Bild hat Christel gestern aufgenommen, als sie zu einer Beerdigung unterwegs war. Staub zu Staub — dies ist selten so eindrücklich.

Martin Pusch

Schaftransport

Gestern war ja das islamische Opferfest. Im Vorfeld dazu finden überall Schafsmärkte statt.

Schafsmarkt
Schafsmarkt

Und da so viele Menschen entweder ein Schaf kaufen, oder aber Schafe verkaufen, werden in der Zeit vor dem Fest besonders viele Schafherden durch die Gegend getrieben, oder eben auf Fahrzeugen transportiert.

Dass jemand auf dem Fahrrad mit einem Schaf auf dem Gepäckträger durch die Gegend fährt, ist nichts Besonderes. Auch auf dem Motorrad wird leicht einmal ein Schaf mitgenommen, der Sozius hält es während der Fahrt fest.

Schaf auf Motorrad
Schaf auf Motorrad

Neben unserem Haus ist ein Platz, auf dem Lastwagen be- und entladen werden. Vor ein paar Tagen sah Martin zufällig in unserem Wohnzimmer aus dem Fenster, wie Schafe oben auf einen Tankwagen geladen wurden. Schnell holte er den Fotoapparat, und machte einige Videoaufnahmen:

Übrigens ist es hier nicht ungewöhnlich, dass auf einem Tankwagen noch Sachen transportiert werden. Oft sind es Bananen oder Feuerholz, die der Fahrer des Wagens für den eigenen Bedarf oder für einen kleinen Nebenverdienst unterwegs gekauft hat. Auch ein Ersatzrad liegt manchmal oben auf dem Tank. Ärgerlich nur, wenn es herunterfällt, denn dann kann es jemanden in ernste Schwierigkeiten bringen.

Martin Pusch

Schafsmarkt
Schafsmarkt